Projekte
Am 4./5. Dezember 2005 fand das 1. Aktionswochenende des Sorgentreff e.V. auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin-Spandau statt.
Bilder davon gibt es hier »
Am Freitag, dem 2. Dezember 2005 liefen die Vorbereitungen für das 1. Aktionswochenende des
Sorgentreffs auf Hochtouren. Wie immer liefen alle Fäden in Berlin zusammen und so trudelten gegen
Abend auch alle Beteiligten ein, die nicht sowieso schon da waren - Usch und Jacques mit Silvi und
Claudi im Gepäck, Cello todesmutig, alleine und ohne den Stadtplan zu benutzen mit Zug und U-Bahn.
Von Tschäti und Tschätmän in Empfang genommen, blieb nicht viel Zeit für lange Wiedersehensfreude - es
gab noch viel zu erledigen.
Während wir noch am Bewundern der bisherigen Ergebnisse (Kalender, Bücher, Karten, Poster, Cds,
Traumfänger, Selbsthilfeflyer, Teelichter und Kekse) waren, die aktuellen News austauschten, das
Abendessen beim Pizzaservice orderten und Cello im rasenden (Sprech-)Tempo allen vom Erlebnis
"Tonstudio" berichtete, warteten die Kunstdrucke schon darauf, möglichst gerade im verstaubten
Ikearahmen platziert zu werden, mussten wir uns noch über mögliche Preise für die einzelnen Artikel
Gedanken machen und die Cd hoch und runter laufen lassen.
Alle Vorsätze, möglichst früh ins Bett zu gehen - immerhin musste am nächsten Morgen früh um 10 ein
fertig aufgebauter und nett anzusehender ST-Stand auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt stehen - waren
vergessen, als wir den Abend erst in einem Irish Pub und später dann in Tschätis Wohnzimmer bis in
die frühen Morgenstunden ausklingen ließen.
Nach einer dementsprechend doch reichlich kurzen Nacht waren wir am "großen Tag" alle natürlich um 6
Uhr Morgens auch ziemlich fit ;-) Noch im Tiefschlaf wurde Kisten und Kartons zu den Autos geschleppt,
letzte Absprachetelefonate geführt, Wegrouten geklärt und alle Leutchen verstaut und ab gings.
Auf dem Markt angekommen machte sich die erste kleine Enttäuschung breit - unser Stand war in einer
kleinen, unscheinbaren Seitengasse ganz hinten, umzingelt von einem Haufen Stände städtischer
Sportsvereine und direkt gegenüber eines Glühweinausschankes, deren Verkäufer lautstark damit
beschäftigt waren, mit Glühweinverkäufern am anderen Ende der Gasse um die besten Preise zu
feilschen.
Ziemlich unwahrscheinlich, dass sich dort überhaupt Weihnachtsmarktbesucher hinverirren würden, noch
unwahrscheinlicher, dass die dort verweilen, um einen interessieren Blick auf den ST-Stand zu werfen.
Unsere Erwartungen sollten sich bestätigen, nachdem wir gegen Abend begannen, die ersten Resümees zu
ziehen - das einzige, was sich wirklich gut verkaufte, war ein Großteil der 23kg selbstgebackenen
Kekse.
Kaum zu glauben, hatten Silvi, Claudi und Cello doch den halben Tag damit verbracht, Leute auf dem
Markt anzuquatschen, um sie auf den ST und seinen Stand aufmerksam zu machen. Die Reaktionen der
Leute waren tatsächlich aber auch extrem verschieden - während die einen stehen blieben und
interessiert lauschten, was wir über unser "internetbasiertes Projekt für Jugendliche" zu
erzählen hatten, ergriffen andere so schnell wie möglich die Flucht aus Angst, wir würden
ihnen etwas verkaufen wollen ;) Wenn man mit manchen in eine nette Plauderei überging, blieb
einem bei den Antworten, die man zum Teil so zu hören bekam, bei anderen wirklich die Sprache
weg - von "Tut mir Leid, ich kann nicht stehen bleiben, mein Kreuz, wissen sie..." über "Ich hab
selber genug Probleme und mir hilft auch keiner!" bis hin zu "Probleme von Jugendlichen? Nein
danke, ich wollte mich heute hier gemütlich auf die Adventszeit einstimmen, damit möchte ich
mich nun wirklich nicht belasten." war alles dabei.
Erstaunlich war, dass die Leute sich viel eher dazu breitschlagen ließen, jemandem für 3 Minuten ihr
Ohr zu leihen, wenn man ihnen kurz vorher noch leckere Plätzchen zum mampfen angeboten hatte -
daraufhin kaufte dann ein Großteil nicht nur eine Tüte Weihnachtskekse, sondern stelle auch schnell
fest, dass es sich tatsächlich um ein gutes Projekt handelte.
Alles in allem war dieser erste Tag dennoch alles andere als zufrieden stellend - trotz
Baustellenheizung klapperten uns die Zähne, zumal nur drei Leute hinter den Stand passten und die
anderen sich unter immer wieder entladenden Regenwölkchen in Geduld üben mussten und die Füße taten
weh.
Für beinahe alle total überraschend (*g*) vergrößerte sich unsere Runde am Nachmittag noch durch
Feindi und Lasti, die extra lange Autofahrt, Stau und absolute Berlinunkenntnis auf sich genommen
hatten, um uns tatkräftig zu helfen.
Immerhin die Standmiete für beide Tage hatten wir am ersten Abend wieder drin - mehr, als so mancher
erwartet hatte ;)
Abends um 21:00 war Schluss, der Stand wieder in Kisten in den Autos verstaut, noch kurz ins
Restaurant was Essen. Reiner, Angelika und Klaus fuhren zu sich nach Hause, der Rest traf sich
noch mal in Tschäti's Wohnzimmer zum kurzen "Plausch" bis wir alle, schon wieder weit nach
Mitternacht, durchfroren und müüüüde ins Bett fielen.
Den Sonntagmorgen wollten wir dann etwas gelassener angehen, immerhin wusste jeder, an welcher Stelle
was stehen musste und wann wieviel Hände gebraucht wurden. Allerdings hatten wir nicht mit Tschätis
Tatendrang gerechnet und so saßen wir unverzüglich nach Tschätis herzallerliebsten Guten-Morgen-
Begrüßung mit dem Brötchen in der einen und der Schere zum Lose-Ausschneiden in der anderen Hand
am Frühstücktisch ;)
Wir planten, die Lose für mindestens 50 Cent pro Stück zu verkaufen - wer mehr geben wollte, konnte
das gerne tun.
Eine weitere, sehr angenehme Überraschung war unser Stand-Ort-Wechsel, als wir gegen zehn auf dem
Markt ankamen. Die DLRG hatte auf einen weiteren Tag in-der-Kälte-Stehen verzichtet und so machten
wir sofort Gebrauch vom übrig gebliebenem Stand, der wesentlich besser positioniert doch sehr
vielversprechend war :). Dazu sei noch erwähnt, dass wir unseren Stand erst am alten Standort
aufgebaut hatten, ihn dann wieder abgebaut, um ihn am "neuen" Standort zum zweiten Mal an
diesem Tag aufzubauen ;-), was aber mit so vielen Tatkräftigen helfenden Händen auch recht
schnell klappte!
Und schwupps ging es dann auch los - die Taktik "Jetzt, wenn sie unser leckeres selbstgebackenes
Plätzchen essen, darf ich ihnen doch sicher auch noch etwas über unser Projekt erzählen" erwies
sich abermals als außerordentlich wirksam und im Nu waren jede Menge interessierter Leute um den
ST-Stand verteilt. Hier und da wechselte ein Kalender seinen Besitzen, gewannen Leute durch die
Lose Teelichter und Postkarten (siehe auch Usch's wunderschöne Nikolaus-Geschichte hier ), beglückwünschten uns Passanten zu
einem so gelungen Projekt und steckte der ein oder andere "einfach so" einen Euro ins
Spendensparschwein.
Zwischendurch wechselten wir uns immer mal wieder mit Pausen ab, sodass jeder Mal in den Genuss
kam, gemütlichen in schön waaaarmen Cafés eine heiße Schokolade zu schlürfen oder ein bisschen
über den Weihnachtsmarkt zu bummeln.
Über mangelnde Kundschaft konnten wir uns nicht beschweren und trotzdem schafften es Tschäti und
Usch, die Stimmung noch ein bisschen mehr zu heben - nachdem sie den für die Weihnachtsmarktbühne
Verantwortlichen so richtig schön bequatscht hatten, hatte dieser sich dazu bereit erklärt, die
Cd über die Lautsprecher, die durch halb Spandau schallten, abzuspielen und vorher sogar noch
anzusagen, um welches Projekt es sich handelt, wer wir sind, was wir machen.
Für allgemeine Belustigung unter den "STlern" sorgte dann die Ansage, mit welcher uns der Mann
ankündigte - jeder von uns darf sich freuen, Teil eines "interbasierten Projekts für psychisch
fast gestörte Jugendliche, die in einer Wohngruppe zusammengefasst leben" zu sein *g* (lassen
wir an dieser Stelle mal unerwähnt, dass der ST bisher über 800 User hatte und diese Wohngruppe
dann doch schon seeeehr groß sein müsste *g*).
Aber im Ernst - halb Berlin, okay okay, das ist ein bisschen übertrieben - aber zumindest viele,
viele Leute - konnten Cello singen hören und ein paar von ihnen kauften daraufhin auch die Cd,
nachdem Claudi in Windeseile ein Schild gebastelt hatte, mit dem man uns einfach nicht übersehen
konnte ;) Immer wieder wurden Claudi und Cello im Laufe des Tages noch gebeten, Kalender bzw.
Cd zu signieren und keine von beiden konnte sich ein Dauergrinsen verkneifen ;)
Als auch dieser Tag dem Ende zuging, wurden die Plätzchen noch schnell verbilligt und besonders
verkaufseffektiv angeboten, um nicht zu sagen: jedem, der vorbei lief, haben wir noch mindestens
eine Plätzchentüte angedreht und hatten somit schlussendlich nur noch ein paar Krümel von ehemals
23kg Plätzchen.:)
Der Stand wurde abgebaut, ein paar leere Kartons blieben zurück und wir fuhren dem Ende des
Aktionswochenendes entgegen, welches zur Feier des Tages mit einem griechischen Essen endete -
immerhin hatten wir nicht nur einen mehr als erfolgreichen Tag zu bejubeln, sondern auch den
Hochzeitstag der Chefin persönlich :)
Rückblickend - vor allem auch, nachdem inzwischen Einnahmen und Ausgaben verrechnet sind und auf
dem ST-Konto schwarze Zahlen stehen - scheint der Stress der letzten Woche ein Nichts gegen das
zu sein, was dabei rauskam. Auch, wenn alle Beteiligten die ganze darauffolgende Woche über noch
dauermüde waren, bleibt die Gewissheit, etwas Tolles erlebt zu haben. Nicht nur, dass jetzt jede
Menge mehr Leute wissen, dass es den Sorgentreff überhaupt gibt - in ganz vielen Büros,
Wohnzimmern oder wo auch immer hängt nun ein Kalender, während auf dem Tisch ein Teelicht
flackert, ein Traumfänger einen Schatten wirft, im Hintergrund schöne Musik läuft und derjenige,
dem das alles gehört, entweder in einem (ST-)Buch blättert oder gerade an jemanden eine (ST-)
Klappkarte schreibt :)
written by cello
Ein riesengroßes und dickes Dankeschön an dieser Stelle an alle Helfer und Helfershelfer die dazu
beigetragen haben, dass das 1. Aktionswochenende vom Sorgentreff e.V. zu einem vollen Erfolg wurde!
DANKE!!!
cello
Claudi
lasti
Feindi
Silvi
Usch & Jacques
Reiner & Angelika
Klaus
Tschäti & Tschätmän
die nicht müde wurden den Stand Auf- und Ab zu bauen, Leute anzusprechen, gefroren und gelacht haben -
kurzum, einfach ein tolles Team waren :-)
Tschätmäns und Angelikas Mütter, die 23!!! Kilo Kekse gebacken haben
Simona Klar von Klar und Deutlich Records
Marc Krause von Limego - Digitaldruck, der beeinDRUCKT
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