Therapieformen
Für die Gestalttherapie findet sich hier die Wurzel des "Hier-und Jetzt-Prinzips"
[wobei im Hier und Jetzt die Vergangenheit und die vorweggenommene Zukunft
natürlich anwesend sind]. Statt Reden-über-etwas wird Beziehen-aufeinander gefördert und
somit direkter Kontakt erfahrbar. Dadurch werden Atmosphären vergangener Szenen aus dem
Dort und Dann in der Gegenwart im Hier und Jetzt wieder lebendig. Die Beschränkung des
Kontaktes durch das Reden über etwas wird aufgehoben.
Ziel ist bei der Vorgehensweisen, eingeengte Sicht oder Blockaden der eigenen Geschichte im
Hier und Jetzt zu bearbeiten und somit das Verhaltensrepertoire zu erweitern.
Der Therapeut wird dich fragen, wie es dir geht, wie es dir in Beziehung zu ihm geht und
wie es dir in den Räumlichkeiten mit ihm geht (Kontext).
Er wird dich auch nach deinen Stärken fragen und nach deinen Wünschen, was aus deiner Sicht
verändert oder gefördert werden sollte; wo zu wenig Zuwendung und Wertschätzung in deinem
Leben ist oder war [Defizite], wo du dich mit Schicksalsschlägen hast auseinander setzen
müssen [Traumata] oder wo du mit dir und/oder der Umwelt in Konflikten standest oder stehst.
Er wird dann mit dir gemeinsam versuchen, Ziele zu formulieren und sich mit dir auf den Weg
zum Erreichen dieser Ziele begeben. Teilziele werden abgesprochen und neue Ziele nach
Erreichen der alten miteinander abgesteckt. In Absprache mit dem Therapeuten bestimmst du
hierbei Richtung und Tempo des therapeutischen Prozesses. Der Therapeut wird dir aber
Behandlungsstrategien vorschlagen. Dabei richtet sich das therapeutische Handeln immer nach
den bestimmten Zielen. Auf diese Ziele abgestimmt werden Methoden [Bewegungstherapie,
Kunsttherapie, Musiktherapie] und bestimmte Behandlungstechniken [Rollentausch,
Arbeit mit dem leeren Stuhl, Identifikationstechniken, Lebenspanorama u. a.] und Medien
[Farben, Puppen, Kollagen, Ton usw.] eingesetzt.
Im Vordergrund steht immer die tragfähige empathische Beziehung zwischen dir und dem
Therapeuten. Grundlage der Behandlung sind immer die Probleme der gesamten "Lebensspanne",
nicht nur Belastungen aus der Kindheit, sondern auch Schwierigkeiten in deiner aktuellen
Lebenssituation und Befürchtungen für die Zukunft. Abhängig von der Ebene, auf der du einen
guten Zugang zu dir findest, und abhängig von der Problematik wird dein Therapeut einen
von "vier Wegen der Heilung" mit dir zusammen einschlagen:
Hierbei sollst du deine Problematik verstehen, indem sie in den Ursprüngen wiedererlebt
wird und du sie mit Hilfe des Therapeuten in den Zusammenhang der damaligen und heutigen
Erfahrungen stellen. du begibst dich also nochmals in alte, belastende Szenen und Emotionen
hinein. Es ist dabei wichtig, dass es nicht einfach zu einem Ausleben von Gefühlen kommt,
sondern dass deine Gefühle einen Adressaten finden, dass frühere Beziehungen bzw.
Beziehungsstörungen im Hier und Jetzt wiederbelebt werden.
Beispiel: In der gehaltenen Beziehung zum Therapeuten kannst du z. B. Empörung und Wut auf
deine Mutter/Vater zum Ausdruck bringen, ohne die damalige Angst, deshalb von ihr/ihm
verlassen zu werden. Meist kommt es sogar dazu, dass du danach das Verhalten deiner
Mutter/Vaters begreifen, langfristig vielleicht sogar ihr/ihm verzeihen und so zu einer
größeren inneren Ruhe kommen. Anders als damals wirst du nun verstanden und gesehen,
nämlich von deinem Therapeuten, und bist so in eine gute Beziehung eingebunden.
Wutausbrüche von heute z. B. gegen deinen Partner, wenn du dich z. B. nicht wahrgenommen
glaubst, kannst du möglicherweise jetzt biografisch einordnen und erkennen, nämlich, dass
diese Wut auch oder vor allen Dingen dem Nichtbeachtet-worden-Sein von Mutter oder Vater
galt oder noch gilt.
Wenn dein Grundvertrauen durch frühe Defizite oder Traumata beschädigt oder mangelhaft
ausgebildet ist, wird der Therapeut versuchen, gute und heilsame Szenen und Atmosphären
zwischen sich und dir herzustellen. du wirst die Erfahrung neuer und anderer Beziehungen
machen. Zeitweilig wird dabei dein Therapeut für dich wahrscheinlich in einer
Übertragungssituation eine/n damals nicht vorhandene/n oder zu wenig vorhandene/n gute
Mutter oder guten Vater verkörpern. Er wird versuchen, dir das nahe zu bringen, was du von
deinen frühen Bezugspersonen nicht oder nicht ausreichend genug bekommen hast.
Dein Therapeut wird hierbei nicht so abstinent sein, wie du es vielleicht aus anderen
Therapierichtungen gehört hast. Caring, holding und containing [Winnikot], also ein eher
mütterliches Wunschprinzip des Nachnährens, werden so lange in deiner Therapie einen
großen Stellenwert einnehmen, bis du genügend Kraft hast, um einen "Neubeginn" zu wagen,
d. h., auch fertig zu werden mit Verzicht und Versagung.
Manche haben diese Form der Therapie auch "Nachbeelterung" genannt. Hier kommen neben
verbalen vor allen Dingen auch körpernahe Behandlungsformen in Frage, wie z. B. körper- und
bewegungsorientierte Therapien.
Dein Therapeut wird diesen Weg immer dann einschlagen, wenn Störungen durch Verarmung deiner
Lebenswelt bedingt sind. Ziel ist es dann, Angebote der Umwelt wieder aufnehmen und somit
neue Erfahrungen machen zu können. Gehemmte oder brachliegende Potenziale werden neu
angeregt. Deine kreativen Fähigkeiten, dein Ausdrucksvermögen können gezielt mit kreativen
Methoden und Techniken gefördert werden. Dies findet in der Regel in Gruppen statt.
Im Mittelpunkt steht immer die Beziehung und die Bearbeitung der Beziehung zwischen dir und
deinem Therapeuten bzw. den Szenen, die sich zwischen euch aufspannen.
Zur Verdeutlichung werden dann Methoden und Techniken genutzt, die die Gestalttherapie
bereithält.
Der Titel "Gestalttherapeut" ist nicht geschützt. Du musst also deinen Therapeuten fragen,
ob er über ausreichende klinische Erfahrung mit Psychose-Erkrankungen verfügt und an
welchem Institut er seine Ausbildung gemacht hat.
Unter den Dachverbänden DGIK und DVG sind die Institute aufgenommen, die eine seriöse und
fundierte Ausbildung anbieten. Sie dauert in der Regel fünf Jahre. Adressen von Therapeuten
kannst du bei den Dachverbänden direkt bekommen, auch Zusatzinformationen, ob der- oder
diejenige als Arzt/Ärztin oder klinische/-r Psychologe/-in arbeitet.
Die Kosten für eine Gestalttherapie oder eine Integrative Therapie werden in der Regel von
der Krankenkasse nicht übernommen. Einzelne Krankenkassen bezahlen jedoch Gestalttherapie,
wie z. B. die Techniker Kasse. Sondervereinbarungen mit anderen Kassen sind möglich.
Privat zahlt der Patient pro Sitzung zwischen 50 und 70 Euro.
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