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 Therapieformen


 Familientherapie

Hinter dem Namen "Familientherapie" verbergen sich viele verschiedene, in ihrer Theorie unterschiedliche Therapierichtungen [Psychoanalyse, neuere Systemtheorie, Verhaltenstherapie].

Die Behandlungsmethoden sind entsprechend unterschiedlich. Allen gemeinsam ist jedoch, dass ein psychisch verstörter Mensch nicht einzeln behandelt wird, sondern immer in Gegenwart bzw. im Kreise möglichst vieler mit ihm vertrauter Personen.

Zu einer Familientherapie-Sitzung werden alle Personen eingeladen, die sich für den Patienten interessieren und die meinen, dass ihre Anwesenheit bei der Behandlung wichtig sein könnte. Allerdings muss der Patient damit einverstanden sein.

Wenn möglich, wird die Therapie von zwei Therapeuten durchgeführt: Der eine führt die Familiensitzung, der andere sitzt - vom Therapieraum getrennt - hinter einer Einwegscheibe. Er kann sowohl den Therapeuten als auch die Familie aus einer distanzierten Position heraus betrachten. Dieses Setting hat seinen Ursprung in der Kommunikationsforschung und dient dazu, der Familie zwei unterschiedliche therapeutische Aspekte der Familiensitzung anzubieten. Denn der Therapeut hinter der Einwegscheibe wird möglicherweise etwas anderes wahrnehmen als der Therapeut, der die Familiensitzung leitet. Beides zusammen kann der Familie und dem Patienten hilfreicher sein als die Sichtweise nur eines Therapeuten.

Die Sitzung dauert in der Regel ca. 45 bis 60 Minuten. Anschließend gibt es eine Beratungspause von ca. 15 Minuten, in der sich die beiden Therapeuten zusammensetzen und alles zusammentragen, was sie in der Familie bemerkt haben. Sie werden ihre Wahrnehmungen vergleichen und versuchen, daraus ein einheitliches Bild herzustellen. Dieses teilen sie der Familie mit. Anschließend wird der Familie möglicherweise eine Aufgabe gegeben, die sie dann zu Hause bis zur nächsten Sitzung erledigen sollte. Die Sitzungen werden üblicherweise etwa fünf- bis zehnmal in Abständen von drei bis vier Wochen fortgesetzt. Es handelt sich also um eine kurze Therapieform mit relativ wenigen Sitzungen in großen Abständen.

In der neuesten Ausrichtung der systemischen Therapie wird überwiegend ein gemeinsames Gespräch geführt. Dabei ist der Therapeut den einzelnen Familienmitgliedern behilflich, ihre eigene Position deutlich werden zu lassen und einen Austausch verschiedener Meinungen zum jeweils vorliegenden Problem zu ermöglichen. Der Patient ist nicht mit einer geheimnisvollen, ihm unzugänglichen Meinungsbildung seiner Familienangehörigen konfrontiert. Vielmehr können beide [oder mehrere] Seiten in der Sitzung etwas von der anderen unmittelbar erfahren.
Natürlich kann die Familie das, was in der Therapiesitzung angesprochen wurde, zu Hause weiter erörtern. Dabei zeigen sich oft erstaunliche Selbstheilungskräfte, die Familienprobleme lösen helfen. Die Selbstheilungskräfte sollen in der systemischen Therapiesitzung unterstützt werden.

Die systemische Familientherapie ist für alle akuten Zustände psychischer Verwirrung und Problematik auch bei einzelnen Personen geeignet. Sie wurde in der praktischen Anwendung bei Magersüchtigen und bei psychotischen Jugendlichen entwickelt, und zu diesen Krankheitsbildern liegen die meisten Erfahrungen vor. Sie ist aber auch bei allen anderen Erkrankungen nützlich, weil hier die familiären Auswirkungen jeder Art von Verstörung eines einzelnen Familienmitgliedes bearbeitet werden können.

Dabei muss man die "Familientherapie" von so genannten "begleitenden Familiengesprächen" abgrenzen, die lediglich der Klärung von Sachfragen, der Information über einen Patienten oder der Beruhigung der Angehörigen dienen.

Die familientherapeutische Behandlung kann stationär oder ambulant durchgeführt werden und schließt andere Behandlungsformen wie Medikamente oder Einzeltherapien anderer therapeutischer Richtungen nicht aus. Sie ist als generelle, systemische Therapie nicht nur auf die Familie begrenzt, vielmehr können an den Sitzungen - auf Wunsch der Beteiligten - auch Mitarbeiter von Institutionen wie Schule usf. teilnehmen. Ebenso sind systemisch-familientherapeutische bzw. systemische Behandlungen nicht nur bei Problemen mit Kindern und Jugendlichen sinnvoll, sondern auch bei Erwachsenen und Paaren. Eine vollständige Familie ist zur Behandlung nicht notwendig, zumal viele - auch psychiatrisch relevante - Probleme mit Kindern vor allem in Einelternfamilien vorhanden sein können.

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